Was ist eine Vernissage? Wenn Schweineblut auf Kunstverstand trifft – Vorurteile und Realität einer Vernissage

 

Menschen in schwarzer Kleidung stehen vor einem Gemälde, auf dem ein rotes Quadrat vor schwarzem Hintergrund abgebildet ist; zehn Minuten lang unterhalten sie sich über die „geometrisch-kühle“, „konkret-gegenständliche“ oder „surreal-haptische“ Farbgebung und versuchen, die Intention des Künstlers zu erschließen. Alle sind coole Leute, die schon alles kennen und gesehen haben und deshalb gelangweilt sind – selbst, wenn sie während der Ausstellung erkennen, dass der Künstler das rote Quadrat mit der „geometrisch-kühlen“, „konkret-gegenständlichen“ und „surreal-haptischen“ Farbgebung mit Schweineblut gemalt hat und er einen seiner Gäste zum Höhepunkt der Vernissage in sein lebendes Kunstprojekt „Schweinestall“ integrieren will. So weit zumindest die Klischees über eine Vernissage.

Tatsächlich ist die Ausstellungseröffnung mit einer Vernissage ein gesellschaftliches Ereignis – besonders in den Anfängen der Vernissage traf sich dort eine sehr elitäre Gesellschaft. Sammler, Galeristen und Förderer feierten gemeinsam mit dem Künstler das Fertigstellen seiner Arbeit. Heute hat sich die Definition von Vernissage gewandelt. Besucher einer Vernissage genießen ungezwungen mit kleineren Häppchen und einem Glas Sekt die Arbeiten des Künstlers.

Doch woher stammt der Begriff Vernissage? Die Vernissage hat entgegen aller Klischees einen handwerklichen Ursprung. Damit die Bilder möglichst widerstandsfähig wurden, überzogen die Künstler ihr fertiges Werk mit einem Schutzanstrich, dem sogenannten Firnis. Dieser Arbeitsschritt war der letzte zur Vollendung des Werkes. Im Lauf der Zeit entstand der Brauch, dieses ‚Firnissen‘ vor der förmlichen Ausstellungseröffnung mit einer Feier im Kreis von Freunden und Auftraggebern zu feiern. Später verschwanden die Unterschiede, aus dem letzten Arbeitsschritt der Vernissage und der Ausstellungseröffnung entwickelte sich ein Ereignis.

Neben der Vernissage gibt es noch eine Midissage und eine Finissage. Während die Midissage zur Halbzeit der Ausstellung häufig großes Medieninteresse auf sich zieht, bedeutet die Finissage das feierliche Ende am letzten Tag der Kunstausstellung. Die Bezeichnung Finissage ist nur im deutschen und im niederländischen Sprachraum üblich. Trotz des französischen Klangs von Finissage verwenden Franzosen eine andere Bezeichnung. Sie nennen den feierlichen Abschluss einer Ausstellung Dévernissage.

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